Martin war für uns auf der IBC 2026 in Amsterdam. Dort traf sich wieder die internationale Broadcast- und Medienbranche. Jetzt berichtet er von seinen Highlights und davon, welche Trends und Marken im Livestreaming besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Brauchen wir wirklich jedes Jahr die nächste technische Revolution? Nach meinem Besuch auf der IBC würde ich sagen: eigentlich nicht. Natürlich gab es neue Kameras, Encoder, Softwarelösungen und jede Menge KI. Mein persönlicher Eindruck war aber: Die spannendste Entwicklung ist, dass professionelle Livestream-Technik immer kompakter, zuverlässiger und gleichzeitig bezahlbarer wird. Deshalb habe ich mir in Amsterdam einige Hersteller und Lösungen etwas genauer angesehen.
Telycam: PTZ kompakt
Telycam gehört für mich definitiv zu den Herstellern, die man aktuell auf dem Schirm haben sollte. Deren neue PTZ-Kameras arbeiten mit schnellen Brushless-Motoren, starkem Autofokus und liefern 4K auch über SDI. Die neue Generation bietet damit deutlich mehr Technik zum selben Preis.
Besonders spannend fand ich den Telycam Mix One. Er kombiniert Videomischer und PTZ-Steuerung in einem Gerät. Kameras steuern, Quellen schalten und den Stream produzieren – alles über ein kompaktes System. Das Konzept kam auch auf der Messe gut an: Der Mix One wurde auf der IBC 2026 mit einem Best of Show Award ausgezeichnet.
Für kleine Teams ist das genau die richtige Richtung: weniger Geräte, weniger Verkabelung, trotzdem professionelle Möglichkeiten.
MiNEMedia: Bonding für mobile Produktionen
Mit MiNEMedia arbeiten wir bei Stream1 schon seit einigen Jahren. Ich war selbst in Shenzhen und habe mir dort Produktion und Entwicklung angesehen. Die Technik setzen wir auch regelmäßig bei eigenen Produktionen ein.
Die Stärke von MiNEMedia ist das Thema Bonding. Mehrere Mobilfunkverbindungen werden gebündelt, damit auch unterwegs eine stabile Verbindung für den Livestream entsteht. Neu ist unter anderem die Streamingkamera MiNEMedia A4. Sie ist kleiner als die A5 und eignet sich dadurch besonders für mobile Einsätze – etwa aus dem Auto oder vom Fahrrad.
Das zeigt, wohin sich Livestreaming entwickelt: Eine professionelle Produktion braucht längst keine große Übertragungstechnik mehr und laufend werden neue Einsatzbereiche möglich.
Kiloview: NDI wird immer erwachsener
Auch Kiloview bleibt für mich ein spannender Hersteller – vor allem bei NDI, Encoding, Decoding und mobilen Übertragungen. Den P3 Bonding Encoder kennen wir bei Stream1 bereits sehr gut. Auf der IBC wurde aber klar: Kiloview denkt inzwischen weit über einzelne Encoder hinaus und baut komplette IP-basierte Produktionsworkflows.
Ein Beispiel ist der neue AVX24-4 Media HUB. Damit lassen sich NDI-Signale zentral verwalten und routen. Verbindungen, Ports und Medieninformationen werden übersichtlich dargestellt. Dazu kam auf der IBC eine Vorschau auf NDI 6.4 mit neuen Möglichkeiten für Recording, Routing und Buffering. Der entscheidende Punkt auch beim IP-Video: Es wird leistungsfähiger und einfacher zu handhaben.
KUPO: Manchmal muss es einfach stabil sein
KUPO bietet solides Grip- und Stativ-Equipment zu attraktiven Preisen. Pascal von Vision2See hat die Marke inzwischen im Sortiment und ich finde: Wer neue Stative sucht, sollte sie sich definitiv einmal anschauen. Denn egal wie digital die Produktion wird – wenn die Kamera wackelt, hilft auch die beste KI nicht mehr.
Univiso: Ein Hersteller für die Watchlist
Noch weniger bekannt ist in Europa aktuell Univiso. Zu unrecht, wie ich finde. Spannend ist vor allem die Spark-Reihe. Neben mobilen Bonding-Routern gibt es dort inzwischen auch Bonding-Encoder – und das wirklich zu Preisen, die für kleinere Produktionen interessant sind. Ob Univiso sich auf dem europäischen Markt durchsetzt, wird sich zeigen. Aber genau solche Hersteller machen die IBC interessant: Heute kennt sie kaum jemand, morgen könnten sie in aller Munde sein.
Remote Production wird zum Standard
Neben einzelnen Produkten war auf der IBC ein größerer Trend deutlich zu erkennen: Produktion und Produktionsort trennen sich immer stärker voneinander. Die IBC hat das selbst vorgemacht. An mehreren Standorten auf der Messe wurden ferngesteuerte PTZ-Kameras eingesetzt. Das Material aus Amsterdam wurde anschließend von einem Remote-Team in Prag weiterverarbeitet. Das spart Personal und Infrastruktur vor Ort und zeigt, wie flexibel moderne Produktionsworkflows inzwischen geworden sind.
5G soll nicht nur schnell, sondern verlässlich werden
Auch beim Thema Mobilfunk geht die Entwicklung weiter. Bonding über mehrere Verbindungen gehört längst zu unserer Routine. Der nächste Schritt ist, die Verbindung planbarer zu machen. Auf der IBC wurde unter anderem getestet, wie sich über Netzwerk-APIs gezielt Qualität und Priorität für Broadcast-Anwendungen reservieren lassen.
Ein Test fand sogar bei einem DFB-Pokal-Spiel mit rund 45.000 Zuschauern statt – also wo Mobilfunknetze besonders stark belastet sind. Für Livestreaming ist das entscheidend: Eine mobile Verbindung soll künftig nicht nur schnell sein, sondern auch dann stabil bleiben, wenn viele Menschen gleichzeitig im Netz sind.
KI wird im Livebetrieb praktisch
Natürlich war KI auch auf der IBC überall Thema. Interessant finde ich dabei vor allem Anwendungen, die im echten Produktionsalltag helfen. Dazu gehören automatische Transkription, Untertitel und Live-Übersetzungen. Verschiedene Sprachfassungen und Untertitel können damit direkt in einen laufenden Stream integriert werden.
Mein Fazit: Nicht revolutionärer – sondern besser
Die IBC 2026 hat für mich vor allem eines gezeigt: Livestreaming wird gerade nicht komplett neu erfunden. Aber es wird an vielen Stellen besser. Kameras werden schneller, Bonding-Systeme kompakter, IP-Workflows übersichtlicher und komplette Produktionen mit immer weniger Hardware möglich. Gleichzeitig holen kleinere Hersteller enorm auf. Professionelles Livestreaming ist kein Nischenthema mehr und braucht auch nicht automatisch ein riesiges Budget.
Und falls ihr wissen wollt, welche Technik für eure eigene Produktion wirklich sinnvoll ist: Meldet euch bei uns. Per Mail an hello@stream1.eu oder telefonisch unter 089 41 41 453 10. Wir schauen uns neue Technik nämlich nicht nur auf Messen an – wir setzen sie auch selbst ein und verlassen uns täglich auf sie.

