Ein Interview mit Martin Prankl, CEO von Stream1.
Livestreams sind längst mehr als ein Notbehelf aus der Pandemiezeit. Sie sind zu einem festen Bestandteil moderner Unternehmenskommunikation geworden von der internen Townhall über den Webinar-Livestream bis hin zur komplexen Messe-Livestream-Produktion. Doch während viele Organisationen noch in der Experimentierphase stecken, hat die Branche der professionellen Livestreaming-Agenturen bereits den nächsten Gang eingelegt. Was kommt auf uns zu? Welche Technologien verändern gerade das Spielfeld? Und warum ist 2026 das Jahr, in dem Livestreaming endgültig zum Standard wird? Wir haben Martin Prankl, CEO der Livestreaming-Agentur Stream1, zum Gespräch getroffen.
Herr Prankl, Sie behaupten, 2026 werde das Livestream-Jahr schlechthin. Andere würden sagen, dieser Hype läuft schon seit Jahren. Was ist diesmal anders?
Der entscheidende Unterschied ist, dass wir diesmal nicht über Potenzial reden, sondern über Realität. Technische Reife, gesellschaftliche Gewöhnung, Plattform-Investitionen und KI-Unterstützung kommen gleichzeitig zusammen. Ich bin seit vielen Jahren in dieser Branche, eng vernetzt mit Herstellern, Plattformen, Produzenten und Kunden, und ich habe selten erlebt, dass sich so viele Faktoren gleichzeitig in eine Richtung bewegen.
Vorstände halten heute hybride Townhalls. Kommunen streamen Bürgerversammlungen. Der Mittelstand baut eigene Studios. Das ist kein Hype. Das ist Infrastruktur, die gerade entsteht.
Welche technischen Entwicklungen treiben das konkret voran? Und was bedeutet das für die Livestream-Produktion?
Deutschland hat technisch massiv aufgeholt. Glasfaser, stabile Mobilfunknetze, Bonding-Lösungen. Die Netze sind heute kein Bremsklotz mehr, sondern Enabler. Parallel dazu ist die Hardware demokratisch geworden: 4K-Kameras sind erschwinglich, PTZ-Systeme liefern Studioqualität auf Knopfdruck, und moderne Audio-Setups funktionieren plug-and-play.
Besonders spannend ist die Entwicklung im Bereich Low-Latency-Streaming und IP-basierter Produktionsarchitektur. Was früher große Ü-Wagen mit teurer Anbindung erforderte, lässt sich heute mit schlanken, skalierbaren IP-Setups abbilden. Und Video-Encoding-Streaming hat sich so weit entwickelt, dass professionelle Ausgabequalität auch ohne spezialisiertes Engineering-Team realisierbar ist.
Wenn jeder streamen kann, ist die professionelle Livestreaming-Produktion nicht obsolet?
Ganz im Gegenteil. Wenn jeder senden kann, wird Qualität zum Unterscheidungsmerkmal. Die Frage ist nicht mehr: „Können wir live gehen?“, sondern: „Wirkt unser Stream kommunikativ?“ Das ist ein enormer Qualitätssprung in der Fragestellung.
Plötzlich zählen Dramaturgie, Regie, Bildsprache, Lichtsetzung und Interaktionsdesign. Wir merken es an den Anfragen: Die Experimentierphase ist vorbei. Unternehmen wollen nachhaltige Setups, skalierbare Prozesse und wiederholbare Formate. Sie suchen keine Techniklieferanten mehr, sie suchen Partner, die Kommunikation denken. Das ist die Aufgabe einer professionellen Livestream-Produktion heute.
Welche Rolle spielen Plattformen wie TikTok, YouTube Live oder LinkedIn? Was bedeutet das für den Interactive Livestream?
Eine sehr große. Diese Plattformen investieren massiv in Live-Funktionalitäten und sie verändern grundlegend, was das Publikum von einem Livestream erwartet. Echtzeit-Interaktion, Kommentare, Reaktionen, Polls: Das ist mittlerweile Standard. Ein interaktiver Livestream ist kein Sonderformat mehr. Er ist Erwartungshaltung.
Wir pflegen engen Austausch mit TikTok Deutschland und mit Herstellern von Livestream-Hardware. Wir sehen früh, wohin die Reise geht: von vertikalen Live-Formaten über Social Commerce bis zu Creator-getriebenen Business-Streams. Was dabei auffällt: Unternehmen schauen nicht mehr nur auf Reichweite. Sie schauen auf Nähe, Dialog, Community-Bindung. Livestream ist kein Sender-Modus mehr. Er ist Gespräch.
Sie erwähnen regelmäßig das Thema „Webinar-Livestream“ und interne Unternehmenskommunikation. Wie hat sich dieser Bereich verändert?
Erheblich. Der klassische Livestream vom Webinar, bei dem ein Referent am Schreibtisch spricht und Folien teilt, ist nur noch die unterste Stufe. Was Unternehmen heute wollen, sind dialogorientierte, interaktive Formate, die intern wie extern wirken, wie zum Beispiel Investor-Relations-Streams, Krisenkommunikation oder internationale Townhalls mit Simultanübersetzung.
Der Kommunikationsbedarf wächst permanent. In einer fragmentierten Medienwelt brauchen Organisationen eigene Kanäle. Livestream ist dabei der direkteste Weg: Echtzeit, authentisch, skalierbar.
Der Bereich Messe-Livestream hat stark zugenommen. Wie sehen Sie dessen Entwicklung?
Der Messe-Livestream ist mittlerweile ein eigenständiges Produktionsformat. Events denken heute „digital first“ oder zumindest „digital mit“. Die Herausforderung dabei: Ein guter Messelivestream ist keine simple Kameraübertragung. Er erfordert eigene Regie, eigenes Storytelling, eigene Dramaturgie für das digitale Publikum.
Wir erleben, dass Messen und Kongressveranstalter zunehmend mit uns zusammenarbeiten, um das Online-Erlebnis qualitativ auf Augenhöhe mit dem Vor-Ort-Erlebnis zu bringen. Dafür braucht es mobile Regie- und Übertragungseinheiten, stabile Bonding-Infrastruktur und ein Team, das sowohl Technik als auch Kommunikation versteht.
Welche Rolle spielt KI in Ihrer täglichen Arbeit und was erwarten Sie für 2026?
KI ist bereits heute fester Bestandteil unserer Produktionen: wir nutzen automatische Untertitel in mehreren Sprachen, Live-Transkription, KI-gestützte Kamera-Ausschnittsteuerung und Prozessautomatisierung in Verwaltung und Projektmanagement.
KI ersetzt keine Kreativität, aber sie optimiert Abläufe erheblich und macht Produktionen schneller, schlanker, skalierbarer. 2026 wird das Jahr sein, in dem KI im Livestream-Bereich nicht mehr ein Hype ist, sondern Standard.
Wie positioniert sich Stream1 als Livestreaming-Agentur für diese Entwicklungen?
Wir investieren gezielt in Infrastruktur und Qualität: Ausbau unseres Studios und der Produktionsräume, Erweiterung unserer mobilen Regie- und Übertragungseinheiten, Anschaffung einer mobilen Streaming-Einheit mit modernem IP-Setup, sowie Teamwachstum mit Spezialisten.
Besonders wichtig ist uns das Thema Sicherheit. Datenschutz, Zugriffskontrollen, lokale Serverstrukturen, Compliance. Gerade in Deutschland ist das essenziell. Und wir engagieren uns im Bildungsbereich: Workshops an Universitäten und in Unternehmen zu Storytelling, Plattformstrategien, KI-Einsatz und Medienethik. Die nächste Generation denkt ohnehin in Video und Live und unsere Aufgabe ist es, Struktur und Professionalität einzubringen.
Fazit
2026 wird kein lauter Hype-Moment für Livestreaming sein, sondern das Jahr, in dem Livestreamings endgültig zur selbstverständlichen Infrastruktur moderner Kommunikation werden. Ob Webinar, Livestream, interaktives Townhall-Format, Messe-Livestream oder Corporate Channel: Wer heute nicht in professionelle Livestream-Produktion investiert, riskiert, morgen den Anschluss zu verlieren.
Sie planen ein Livestream-Projekt? Stream1 begleitet Sie von der ersten Idee bis zur finalen Produktion. Schreiben Sie uns eine E-Mail an hello@stream1.eu oder rufen Sie uns an unter 089 414145310.
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